Verschiedene Tonleitern und deren Aufbau
Eine Tonleiter ist eine geordnete Folge von Tönen, meist in Sekundschritten. Wenn Du den Aufbau der verschiedenen Tonleitern (im Jazz gerne „Skalen“ genannt) verstehst, kannst Du sie sicher bilden, schneller nach Gehör erkennen und bewusster anwenden.
Die Dur-Tonleiter
Die Dur-Tonleiter besteht aus einer festgelegten Reihenfolge von Ganzton- und Halbtonschritten. Sie ist aus zwei gleich aufgebauten Vierergruppen zusammengesetzt, den sogenannten Tetrachorden.
Am Beispiel der C-Dur-Tonleiter (c–d–e–f–g–a–h–c) erkennst Du den Aufbau besonders gut:
c–d–e–f → zwei Ganztöne + ein Halbton
g–a–h–c → zwei Ganztöne + ein Halbton
Zwischen diesen beiden Tetrachorden liegt wiederum ein Ganztonschritt.
Die Halbtonschritte liegen bei der Dur-Tonleiter zwischen der 3. und 4. sowie der 7. und 8. Stufe. In C-Dur sind das e–f und h–c. Diese nennt man auch natürliche Halbtonschritte, weil sie zwischen zwei Stammtönen liegen.

Durtonleiter: Halbtonschritte zwischen 3–4 und 7–8.
Audio: Dur (ionisch)
MERKE: Bei der Dur-Tonleiter liegen die Halbtonschritte zwischen der 3. – 4. und der 7. – 8. Stufe.
Die Stufen 1–3–5 bilden einen Durdreiklang.
Den genauen Aufbau der anderen Durtonleitern kann man nur durch das Nutzen von Versetzungszeichen ermöglichen. Die Durtonleiter mit einem Kreuz (G-Dur) ergibt sich, wenn man den zweiten Tetrachord der C-Durtonleiter (g-a-h-c) nimmt und wieder im Abstand von einem Ganzton einen weiteren, gleichgebauten Tetrachord (in diesem Fall d-e-fis-g) anhängt. Dieser neue Tetrachord ist dann wiederum der Anfang der D-Durtonleiter, an den man den Tetrachord a-h-cis-d anhängen kann, um die Tonleiter zu vervollständigen. Die D-Durtonleiter hätte somit schon zwei #-Vorzeichen. Wenn man so weiter verfährt, erhält man alle Durtonleitern mit jeweils einem weiteren #-Vorzeichen. Die Anfangstöne der auf diese Weise gebildeten Tonleitern liegen also immer fünf Töne (eine reine Quinte) auseinander. Diese Reihenfolge ist auch als Quintenzirkel bekannt.
Wenn man von der C-Durtonleiter ausgehend genauso in absteigender Richtung vorgeht, d. h. wenn man den ersten Tetrachord nimmt und im Abstand von einem Ganzton darunter einen neuen Tetrachord anhängt (hier f-g-a-b), so erhält man die Durtonleitern mit jeweils einem b-Vorzeichen mehr. Die Grundtöne liegen dann eine Quinte abwärts auseinander (Quintenzirkel abwärts)!
Die Moll-Tonleiter
1) Die natürliche Moll-Tonleiter
Die natürliche Moll-Tonleiter (auch aeolisch) entspricht der Stammtonreihe von A aufwärts.
Die Halbtonschritte liegen zwischen der 2. – 3. sowie der 5. – 6. Stufe.

Audio: Natürliches Moll (aeolisch)
MERKE: Bei der natürlichen Moll-Tonleiter liegen die Halbtonschritte zwischen den Stufen 2 – 3 und 5 – 6.
2) Die harmonische Moll-Tonleiter
In der harmonischen Moll-Tonleiter wird die 7. Stufe erhöht, damit ein Leitton entsteht. Sie enthält alle Töne der Moll-Kadenz („Harmonien“) mit einer Dur-Dominante – die ja den wichtigen Leitton als Terz enthält.
Dadurch entsteht zwischen der 6. und 7. Stufe eine auffällige, übermäßige Sekunde.

Anm.: Ein Leitton ist ein Ton mit starker Auflösungstendenz um einen Halbton. Er strebt normalerweise nach oben. Falls er sich harmonisch als Spannung nach unten zu einem Zielton auflöst, bezeichnet man ihn eher als „Gleitton“.
Audio: Harmonisches Moll
3) Die melodische Moll-Tonleiter
Die melodische Moll-Tonleiter vermeidet die unsangliche übermäßige Sekunde indem hier auch die 6. Stufe erhöht wird.
Aufwärts ähnelt sie einer Mischung aus Moll und Dur. Abwärts verwendet man in der Praxis häufig wieder die natürliche Moll-Tonleiter.

Audio: Melodisches Moll
Die Kirchentonleitern (Modi)
Die Kirchentonarten oder Modi entstehen, wenn man eine Durtonleiter auf unterschiedlichen Stufen beginnt.

Wichtig ist, sich jeweils nur die Abweichung von unserer „normalen“ Dur- oder Moll-Tonleiter bewusst zu machen:
dorisch → große Sexte (sonst wie Moll)
phrygisch → kleine Sekunde (sonst wie Moll)
lydisch → übermäßige Quarte (sonst wie Dur)
mixolydisch → kleine Septime (sonst wie Dur)
lokrisch → kleine Sekunde + verminderte Quinte (sonst wie Moll)
Audio-Beispiele:
Dorisch → Moll mit großer „dorischer Sexte“
Phrygisch → Moll mit kleiner „phrygischer Sekunde“
Lydisch → Dur mit übermäßiger „lydischer Quarte“
Mixolydisch → Dur mit kleiner „mixolydischer Septime“
Lokrisch
Die lokrische Tonleiter hat – wie phrygisch – eine kleine Sekunde, jedoch auch eine verminderte Quinte. Sie wird in der Jazz-Improvisation über einen halbverminderten Septakkord verwendet.
Folkloristische Tonleitern mit zwei übermäßigen Sekunden
Früher wurden diese Skalen im deutschsprachigen Raum oft als „Zigeuner-Tonleitern“ bezeichnet. Diese Bezeichnung wird heute nicht mehr gerne verwendet. Gemeint sind zwei folkloristische Skalen, die sich durch zwei übermäßige Sekunden auszeichnen.
Ungarisch-Moll (ehemals: „Zigeuner-Moll“)
Arabisch-Dur (ehemals: „Zigeuner-Dur“)
Ungarisch-Moll
Ungarisch-Moll kann man sich als harmonisches Moll mit zusätzlich erhöhter 4. Stufe merken.

Audio: Ungarisch-Moll
MERKE: Ungarisch-Moll ist harmonisches Moll mit erhöhter 4. Stufe.
Arabisch-Dur
Arabisch-Dur ist eine orientalisch klingende Dur-Tonleiter. Typisch sind die erniedrigte 2. und die erniedrigte 6. Stufe.

Audio: Arabisch-Dur
MERKE: Arabisch-Dur ist Dur mit erniedrigter 2. und erniedrigter 6. Stufe.
Pentatonik und Blues-Skala
Eine pentatonische Skala ist eine fünftönige Skala und besteht aus 3 Ganztönen und 2 kleinen Terzen. Die Terzen liegen jedoch nicht hintereinander. Die schwarzen Tasten der Klaviatur sind pentatonisch angeordnet.
Dur-Pentatonik

Audio: Dur-Pentatonik
Moll-Pentatonik

Audio: Moll-Pentatonik
Blues-Skala
Die Blues-Skala enthält sogenannte Blue Notes. Die Blues-Skala enthält die Töne des Dominantseptakkordes. Vor der Terz und der Quinte steht jeweils praktisch noch ein Leitton:

Audio: Blues-Skala
Anm.: Die Blues-Skala kommt oft ohne die Dur-Terz zum Einsatz, da sie ungeachtet der Wechsel zwischen Tonika, Subdominante und Dominante im Blues-Schema als Improvisationsgrundlage dienen kann und tonal nicht angepasst werden muss.
Einteilungsarten der Oktave im 12-tönigen temperierten System
Pentatonik
halbtonlose fünftönige Skala
besteht aus 3 Ganztönen und 2 kleinen Terzen
die kleinen Terzen folgen nicht unmittelbar aufeinander
entspricht der Anordnung der schwarzen Tasten
Ganztonleiter
besteht aus 6 Ganztonschritten
es sind daher nur 2 unterschiedliche Ganztonleitern möglich
Audio: Ganztonleiter
Diatonik
siebentönige Tonleiter (heptatonisch)
besteht aus 5 Ganztönen und 2 Halbtönen
entspricht der Anordnung der weißen Tasten
Chromatik
Folge aller 12 Halbtöne
„chromatisch“ bezeichnet eine Bewegung in Halbtonschritten