Nebendreiklang, Nebenakkorde
Definition
Die Nebendreiklänge in Dur sind die Mollakkorde auf der 2., 3. und 6. Stufe.
MERKE: In Dur sind die Nebendreiklänge die sich ergebenden Mollakkorde auf den Stufen II, III und VI der Dur-Tonleiter.
Terzverwandtschaft: Parallele und Gegenklang
Nebendreiklänge sind mit den Hauptakkorden terzverwandt.
T und S haben je zwei Terzverwandte: die Parallele (Tp, Sp) und den Gegenklang (Tg, Sg).
Der Paralleldreiklang ist der Tonikadreiklang der Paralleltonart und eine kleine Terz entfernt. Der Gegenklang ist eine große Terz in der anderen Richtung zu finden.
Beispiel in C-Dur
In C-Dur ist also A-Moll (die 6. Stufe) die Tp (Tonikaparallele) oder der Sg (Subdominantengegenklang).
Die 3. Stufe E-Moll ist entweder Tg oder Dp.
Welchen Hauptdreiklang der Nebendreiklang ersetzt, hängt mit dem Höreindruck zusammen.
Beim Trugschluss vertritt die 6. Stufe eindeutig die Tonika, da diese erwartet wird. In einem anderen harmonischen Zusammenhang kann die 6. Stufe aber auch die Subdominante vertreten.
Von der D kann lediglich die Dp abgeleitet werden, da der Dreiklang auf der 7. Stufe nicht als eigenständiger Dreiklang angesehen (bzw. gehört) wird.
ANMERKUNG: Der Dreiklang auf der 7. Stufe in Dur – ein verminderter Dreiklang – wird als unvollständiger Dominantseptakkord (Septakkord mit verschwiegenem Grundton) angesehen (s. Septakkorde).
Nebendreiklänge bereichern das harmonische Geschehen
Jeder Nebendreiklang gestaltet das harmonische Geschehen vielseitiger.
Eine Melodie, die aus dem Tonmaterial der Grundtonart besteht, könnte nur mit den drei Hauptakkorden begleitet werden, doch durch die Verwendung von Nebendreiklängen wird alles vielleicht abwechslungsreicher und charaktervoller.
Einfache Melodien (einfache Volkslieder und Popstücke) werden zu einem Großteil vor allem mit diesen drei bis sechs Akkorden (1. bis 6. Stufe) begleitet, die sich aus dem Tonmaterial der Tonart ergeben (z.B. „Go West“).
Typische (Kadenz-)Akkordfolge: II–V–I
Eine häufige Kadenz-Variante ist zum Beispiel:
T – (S) – Sp – D – T = I – (IV) – II – V – I
Die Subdominante wird durch den Dreiklang auf der 2. Stufe „vertreten“ (⇒ a.).
ANMERKUNG: Diese II–V–I-Verbindung spielt auch im Jazz als „Jazzkadenz“ eine sehr große Rolle (II–V–I-Pattern); die sprunghafte Bassführung klingt interessanter als die „klassische“ IV–V–I-Verbindung.
(Bei der Verbindung Sp – D werden die Stimmen trotzdem – wie bei S – D – in Gegenbewegung geführt!)
Nebendreiklänge in Moll
Die typischen Nebendreiklänge in Moll sind die Durdreiklänge auf der 3. und 6. Stufe.
Der Trugschluss (VI) ist hier der tG (Gegenklang – nicht etwa Parallele!).
Die 6. Stufe kann auch sP sein.
Der Dreiklang auf der 2. Stufe vertritt die s und ist ein verminderter Dreiklang (s. Dreiklänge).
Auf dieser 2. Stufe in Moll ist er häufig mit kleiner Septime als halbverminderter Septakkord zu finden.
Die II–V–I-Kadenzvariante spielt auch in Moll eine große Rolle (⇒ b.).
